
Mein erstes Rennen war der zweite Lauf der BMW Challenge in Oschersleben. Mit dem Team Bongiovanni Racing und Fulmine, dem Auto, ging es für mich in der Klasse Cup 3 an den Start.
Die Tage davor
Statt Vorfreude hatte ich erstmal Stress. Am Wochenende vor Oschersleben habe ich gemerkt, dass es mir nicht gut geht. Die Nase ging zu, und das Gefühl, krank zu werden, kam über mich. Also habe ich die ganze Woche über nur versucht, gesund und fit zu bleiben. Ich musste mich zurücknehmen, was mir echt schwergefallen ist: Vitamine nehmen, Schlaf priorisieren, auf meinen Körper hören. Es hat funktioniert. Ich bin vielleicht nicht hundertprozentig fit in Oschersleben angekommen, aber ich war bereit für die Herausforderung und das Erlebnis meines ersten Rennens.
Angekommen im Fahrerlager
Bevor es überhaupt zum Start ging, bin ich zum ersten Mal zum Training raus. Das erste Mal im Auto angeschnallt werden, den Motor starten, rausfahren, die Strecke mit dem Auto erleben. Und ich hätte es nie gedacht, aber im Training bin ich die schnellste Zeit in der Klasse gefahren. Das hat mich nachhaltig bewegt und verwundert, dass ich direkt beim ersten Mal gefühlt so schnell war.
Was noch viel verrückter war: Es hat sich angefühlt, als hätte ich das schon die letzten 30 Jahre gemacht. Total normal. Als wäre das mein Zuhause gewesen, als hätte ich hier laufen gelernt, als hätte ich hier meinen Führerschein gemacht. Ich hatte nie das Gefühl, noch nie Rennfahrer gewesen zu sein.
Zum ersten Mal im Starterfeld
Dieser Moment war schon aufregend. Ich stand mit dem Auto im Vorstart. Es wurde noch ein Interview gemacht, und genau da habe ich gemerkt: Das ist jetzt wirklich real. Meine Freunde waren da, meine Mutter war da. In dem Moment ist es wirklich in Fleisch und Blut übergegangen. Ich bin Rennfahrer. Das, was ich hier mache, ist echt. Ich stehe hier im Vorstart für mein allererstes Rennen, und ich habe keine Ahnung, wie das funktioniert. Da hatte ich Puls. Da hatte ich für einen kurzen Moment das Gefühl, dass ich das alles vielleicht ein bisschen zu schnell angegangen bin. Aber zurück war jetzt nicht mehr drin.
Das Rennen
Der Start war weder gut noch schlecht. Ein paar Plätze verloren, aber für ein erstes Rennen fand ich das in Ordnung. Danach lief es gut, und ich konnte dem Führenden in der Klasse gut folgen.
Irgendwann war ich dann aber zu übermütig. Ich war so verbissen und wollte an ihn ranfahren. Ich wusste über Funk, dass wir die gleichen Zeiten fahren, also war mir klar: Ich muss mehr Risiko gehen, wenn ich aufschließen will. Also habe ich versucht, in der Dreifach-Linkskurve auf dem Gas zu bleiben, komme was wolle, einfach den Fuß bis zum Bodenblech durchdrücken und dort die Zehntel zu finden, die mich an ihn ranbringen.
Und was ist passiert? Ich habe den Motorsport von der anderen Seite kennengelernt. In der Links-Passage hatte ich einen Dreher. Ich habe einfach zu viel versucht, die fehlende Erfahrung hat in dem Moment nicht geholfen. Das Heck ging weg, ich habe mich gedreht, bleibe stehen. Mein erster Gedanke: Scheiße. Was ist, wenn eines der nachfolgenden Fahrzeuge mich nicht sieht und reinfährt? Aber da der Gedanke allein nichts hilft, habe ich den Gang wieder eingelegt, gewartet, bis das erste Paket Autos an mir vorbei war, und bin wieder ins Rennen gestartet.
Am Ende habe ich mein erstes Rennen auf Platz zwei in der Klasse beendet. Trotz Dreher, trotz Puls. Das hätte ich vor 16 Wochen nicht gedacht, als ich mit der Vorbereitung im Dezember gestartet bin.
Im zweiten Rennen an dem Wochenende habe ich mich körperlich nicht fit gefühlt. Keine Ahnung, ob es die Aufregung vom ersten Rennen war, ob die Nacht zu kurz war oder ob mir das Essen nicht bekommen ist. Ich war einfach nicht fit.
Dazu kam noch etwas: In der ersten oder zweiten Runde hatte ich Kontakt mit einem Auto aus einer anderen Klasse. Das hat später zu einem Ausfall vom ABS-System geführt, wieder eine neue Erfahrung, weil ich als relativ modernes Kind nie ohne ABS gefahren bin. Anfangs hat mich das verunsichert, weil sich auch das Bremspedal total anders angefühlt hat. Also habe ich Speed rausgenommen, Energie rausgenommen, und das Ding in Ruhe nach Hause gefahren. Entspannt, und die Zeit einfach genossen.
Die Erkenntnis
Was mir seitdem geblieben ist: Ich hatte nie das Gefühl, neu zu sein, fremd zu sein, zum ersten Mal dabei zu sein. Es hat sich alles sehr natürlich angefühlt. Als wäre ich genau an diesem Ort, zu dieser Zeit, einfach richtig.
Es hat lange gedauert, bis ich das Feedback von meinem Teamchef für bare Münze nehmen konnte. Er meinte, so etwas wie mich hätte er noch nicht gesehen: wie schnell ich mich eingefunden habe, die Zeiten, die ich gefahren bin, wie ich in die Zweikämpfe eingestiegen bin. Das war neu für das Team. Und bei einem Teamchef mit 14 Jahren Erfahrung war das schon echt überwältigend.