
Behind the Helm | Kapitel 1
Zwischen den Jahren, so zwischen Weihnachten und Silvester, habe ich mir einen Termin bei der Motorsport Akademie gebucht. Ich habe mich entschlossen, einen Kindheitstraum anzugehen. Ich wollte einmal Rennfahrer sein (rückblickend ein naiver Gedanke). Ich hatte einfach die Nase voll davon, meinen Kindheitstraum nur zu träumen. Ich wollte den Traum umsetzen.
Woher der Traum kommt
Zum Motorsport bin ich als Kind über meinen Vater gekommen. Wir haben früher zusammen viel Formel 1 und DTM geschaut. Ich war fasziniert davon, zuzusehen, wie Lewis Hamilton seinen Weg in der Formel 1 gemacht hat. Irgendwann ging es zum ersten DTM-Rennen, Hockenheim oder Nürburgring meine ich. Das erste 24h-Rennen in Spa. Bis ich irgendwann total vereinnahmt war von dem Motorsport-Zirkus, und gleichzeitig hat der Gedanke eingesetzt: Mit 14, 15, 16, 17, 18 bin ich viel zu spät dran.
Man hat ja mitbekommen, wie früh die Fahrer angefangen haben, im Kart, und sich über die Serien hochgearbeitet haben. Ich hatte in der Zeit weder das Geld noch die Historie, um überhaupt über einen Start im Motorsport nachzudenken. Also: ab und zu Kart fahren mit Papa und Freunden, das war das höchste der Gefühle. Mal ein paar Runden Touristenfahrten auf der Nordschleife. Ein bisschen Gran Turismo spielen.
Und zwischen den Jahren dachte ich mir: Fuck it, ich probiere das jetzt. Ich buche den Kurs, die Kosten sind überschaubar, und ich schaue ab da weiter. Damit ging die Reise los.
Wie ich es angegangen bin
Also: Termin bei der Motorsport Akademie gebucht. Parallel habe ich mich auf dem Motorsport-Markt umgeschaut und ein paar Teams angeschrieben, auf gut Glück. Eines hat geantwortet: Bongiovanni Racing.
Daraus wurde schnell mehr als nur eine Anfrage. Wir haben uns darauf verständigt, dass ich meinen Lizenzkurs direkt im Rennwagen mache und das Team mich dabei von Anfang an begleitet. Kein Alleingang irgendwo im Kurs von der Stange, sondern ein Team, das von Tag eins an genauso motiviert war wie ich. Im Rückblick war das der richtige Einstieg, und das habe ich damals schon gespürt.
Die eigentliche Herausforderung
Was mich vor dem Kurs am meisten beschäftigt hat, war gar nicht das Fahren oder die Theorie. Ich wusste einfach nicht, wie der ganze Prozess abläuft. Welche Schritte notwendig sind, worauf ich achten muss, was überhaupt auf mich zukommt.
Eines war mir aber klar: Bei meiner damaligen körperlichen Verfassung würde die ärztliche Untersuchung eine echte Hürde werden. Bevor ich überhaupt einen Meter im Rennwagen gefahren bin, musste ich erstmal beweisen, dass mein Körper das mitmacht. Darüber redet im Rennsport keiner: Papierkram und die ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Zustand, bevor der eigentlich spaßige Teil überhaupt losgeht. Vielleicht ist das aber auch nur ein Spätstarter-Thema.
Der Tag der Lizenz
Dann kam der Tag, an dem ich die Lizenz in der Hand hatte. Ich habe mich unfassbar gefreut, das fühlte sich an wie ein Ritterschlag. Aus „ich würde gerne“ wurde „ich darf jetzt“.
Kein Formular hat mich so gepackt wie dieses. Weil es der Beweis war, dass aus dem Kindheitstraum jetzt etwas Reales geworden ist. Etwas, das ich mir selbst erarbeitet habe.